02.04.2019: Zu Besuch bei Charles Chaplin

Nach einem üppigen Frühstück machte ich mich auf den Weg. Schließlich standen heute 180 Kilometer auf dem Plan. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass die Wolken von gestern Abend Recht behalten sollten. Es regnete auf typisch irische Weise. Zwischen den Regengüssen bracht immer wieder die Sonne hervor und verwandelte die Stimmung in etwas Surreales. Die Iren haben hierfür eine Bezeichnung, die ich aber weder schreiben, geschweige denn aussprechen kann. Der Weg folgte der Hauptstraße in Richtung Westen nach Cahermore. Nachdem ich aus dem Ort rausgefahren bin, bog die Straße nach Norden landeinwärts ab. Sie stieg langsam an und auf einem Parkplatz konnte man nun die ganze Bucht von Bantry, sowie die Sheeps Head-Halbinsel betrachten. Da sich zu diesem Zeitpunkt einmal mehr der Himmel auftat tauchte die Sonne die Szene in ihr warmes Licht.

Die Lichtstimmung zwischen Regen und Sonne hat im Irischen einen Namen, den ich aber weder aussprechen noch aufschreiben kann.

Nach diesem Ausblick ging es weiter nach Westen. Mein erstes Ziel sollte heute morgen Dursey Island sein. Hier gibt es die einzige Seilbahn in Irland. Sie bietet die einzige Möglichkeit von Dursey Sound auf die Insel zu kommen. Ich hatte die Sonne im Rücken, aber ich wurde immer wieder durch Regengüsse stark in meiner Sicht beeinträchtigt.

Die Straßen wurden immer kurviger und das Wetter wechselte zwischen Regen und Sonne. Immer gleich blieb allerdings der Wind. Auch der Atlantik hatte sich rar gemacht. Ab und zu blinzelte er durch die Landschaft. Ab Cahermore war er dann wieder mein ständiger Begleiter. Obwohl ich nicht viel sehen konnte, da die Regentropfen auf meinem Visier die Sicht behinderten. Kurz nach Cahermore bog die Route nach links ab und führte direkt nach Dursey Sound, wo die Seilbahn nach Dursey Island übersetzt. Heute jedoch brach sie die Fahrt ab, da der Wind zu stark war. Hier gibt es an schönen Tagen ein wahres Paradies für Wanderer. Einige Wanderwege führen von hier ab in Richtung Osten. Der bekannteste ist der Beara-Way. Er führt um die gesamte Halbinsel herum. Mit 152 Kilometer kann man über mehrere Tage die gesamte Halbinsel erkunden. Der Zweite ist der Beara-Breifne-Way. Dieser Weg ist etwas für die ganz Harten, denn er führt mit über 500 Kilometer von der Beara-Halbinsel nach Blacklion an der inner-irischen Grenze im County Leitrim.

Mein Weg führte zurück bis zur Hauptstraße. Nach einem weiteren Regenguss, lockerte die Bewölkung auf und die Sheep Head Halbinsel im Süden, lag schön in der Sonne. Da war sie wieder, diese ganz besondere Stimmung, wenn kurz nach dem Regen die Sonne scheint. Sie verstärkte nun die kräftigen Farben. Nun führte der Weg ab der Hauptstraße nach Norden um die Beara-Halbinsel herum. Dieser Abschnitt ist genau für Motorradfahrer gemacht. Enge Straßen, viele Kurven und eine hügelige Landschaft. Und in der Ferne das wunderbar blau schimmernde Meer in der Bucht um Allihies. Durch die Sonne, war alles schon sehr farbenfroh, doch dass dies noch zu steigern war, sah ich in Allihies. Denn war bis hierhin die Landschaft so richtig bunt, kamen nun auch noch die kunterbunten Häuser der Ortschaft hinzu. Ein wahrer Augenschmaus. Nach diesem Farbenreichtum, ging es wieder etwas trist zu. Die Straße führte nun wieder durch eine Felslandschaft. Hinüber in die Ebene des Kenmare River. Die Straße war schon etwas eng und als mir ein Auto entgegen kam war ich mit meinem Motorrad gezwungen auf die Wiese auszuweichen. Das Wetter meinte es nun wieder etwas besser mit mir. Denn nun wechselten sich Sonne und Wolken ab. Doch schon nach Eyeries, einem weiteren sehr bunten Dorf, zog sich der Himmel wieder zu und es begann teilweise heftig zu regnen. Auf der rechten Seite die kargen Felsen, und links von mir die mit Wolken bedeckte See drückten nun schon etwas auf die Stimmung. Völlig unbemerkt fuhr ich nun vom County Cork nach Kerry. Nach einigen Kilometern bog der Weg in Richtung Kenmare River View ab und ich erreichte Kilmalloge. Eigentlich ein Geheimtip am Ring of Beara um einmal so richtig die Seele für ein paar Minuten, oder auch Stunden, baumeln zu lassen. Aber nicht heute. Kaum angekommen begann es so fürchterlich zu hageln, dass ich es vorzog, meinen Helm auf dem Kopf zu belassen.

Blick von Dursey auf Sheep Head.

Nun folgte ich der Regionalstraße bis nach Tousist um dort wieder auf den eigentlichen Wild Atlantic Way zu kommen. Die Umgebung war weniger berauschend und führte nur an hohen Hecken und Bäumen vorbei. Wieder auf der Hauptstraße angekommen ging es nun nach Kenmare. Die Zivilisation hatte mich nun wieder. Der Weg führte am Südufer der Kenmare Bay entlang und man erreicht den Ort über eine Brücke. Hier gab es nun erst einmal einen Stau um durch den Ort nach Norden zu kommen. Ich passierte die Hauptstraße mit ihren bunten Häusern in Schrittgeschwindigkeit. Am Ende angekommen ging es nach links auf die Straße Richtung Killarney. Nach einigen Metern bog nun der Ring of Kerry links ab.

Kilmalloge bei Hagel und Regen mit Blick auf die Kenmare Bucht.

Dieser Rundweg führt nun um die Iveragh-Halbinsel und zählt zu dem beliebtesten Küstenstraßen der Welt. Sie ist so beliebt, dass Busse und Wohnmobile den Ring nur gegen den Uhrzeigersinn befahren dürfen, da es sonst auf den teilweisen sehr engen Straßen keine Möglichkeit gibt um aneinander vorbei zu fahren. Kurz hinter Kenmare ist die Nationalstraße aber noch recht breit und es geht zügig mit etwa 100 km/h in Richtung Sneem. Die Straße verläßt zuerst einmal die Kenmare Bay und führt an einer Hügelkette vorbei. Doch nach wenigen Kilometern sieht man das Meer wieder. Jedenfalls bei gutem Wetter. Ich habe es nicht so gut erwischt. Es regnete heftig und ich hatte stellenweise Probleme etwas durch mein Visier zu erkennen. So fuhr ich immer nur dem weißen Lieferwagen, der seit Kenmare vor mir fuhr hinterher. Schon bevor ich nach Kenmare kam bemerkte ich, das Irlands höchste Berge, die Macgillycuddyreeks, schneebedeckt waren. Nach Sneem beruhigte sich das Wetter wieder und ich konnte ruhiger weiter fahren. Zur Rechten lagen nun die Ausläufer der Macgillycuddyreeks und auch diese waren teilweise schneebedeckt.

Blick vom Coomakesta Pass nach Süden. Im Hintergrund die Beara Halbinsel.

Die Straße führte nun wieder nahe am Ufer entlang und man kann diesen Abschnitt genießen. Die Kenmare Bay auf der Linken mit Blick auf die Sheep Head Halbinsel. An diesem Tag war es nur teilweise möglich, denn immer wieder kam ein Niederschlagsgebiet vorbei und so gab es abwechselnd Hagel, Regen und Sonnenschein. Nur der Wind blieb dauerhaft. Wer sich für frühzeitliche Steingebäude interessiert sollte auf jeden Fall am Staigue Fort anhalten. Das etwa 2000 Jahre alte restaurierte und sehr bekannte Steinfort ist ein Publikumsmagnet am Ring of Kerry. Besonders bei gutem Wetter hat man von hier einen wunderschönen Blick auf die südlich gelegene Landschaft der Kenmare Bay. Danach kommen mit dem White Strand und dem Glanbeg Strand gleich zwei wunderschöne Strände, die zum Rasten einladen. Von Glanbeg Strand kann hat man auch einen schönen Ausblick auf die Beara Halbinsel. Nun geht es etwas kurvig hinauf zum Coomakesta Pass. Auch hier bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Westküste der Iveragh-Halbinsel und bei gutem Wetter kann man sogar die beiden Skelligs, Skellig Michael und Little Skellig sehen. Doch zuvor biegt der Weg zum Derrynane House ab. Auch gibt es hier den gleichnamigen Strand, der ebenfalls zum Ausruhen einlädt.

Mystische Stimmung am Derrynane Beach.

Nach dem Coomakesta Pass führt die Straße nun nach Norden nach Waterville. Dieses kleine Stranddorf, hat eine wunderbare Promenade und ist der ideale Stop für jeden am Ring of Kerry. Egal, ob Strandwandern oder Kulinarisches auf dem Programm steht. Ich beende in diesem kleinen beschaulichen Ort, in dem auch schon Charles Chaplin sehr oft verweilte, meine Tagestour. Und nach dem Einchecken in meinem B&B betrachtete ich mir noch den Ort und besuchte auch die Statue von Charles Chaplin, die direkt an der Uferpromenade aufgestellt ist.

Panoramaaufnahme der Strandpromenade in Waterville, Co. Kerry.
Meine Route am dritten Tag, dargestellt mit RELIVE. Sie führte mich von Castletownbere nach Waterville und war 171 Kilometer lang.