05.04.2019 An der Cliff Coast

Nach der Odyssee des Vortages sollte der heutige Tag eine echte Bereicherung auf meiner Reise darstellen. Das Wetter war heute sonnig und die Temperaturen waren angenehm warm. Zwar ging ein etwas starker Wind, aber das ist man in Irland ja gewohnt.

Blick vom Parkplatz auf den Leuchtturm von Loop Head.

Die Tour führt zuerst einmal in Richtung Süden aus Kilkee hinaus auf die Landstraße, die ich am Vorabend schon in die andere Richtung gefahren bin in Richtung Loop Head. Die Straße zog sich hierbei fast gerade durch die Landschaft, und erst ein paar Kilometer vor Loop Head, bei Kilbaha konnte ich das erste Mal heute den Atlantik sehen. Der Weg führte an einer kleinen Bucht mit einem kleinen Hafen vorbei und verschwand wieder in der grünen Mitte dieser Halbinsel. Nach etwa 20 Kilometer war ich dann am Leuchtturm von Loop Head angekommen. Hier wehte eine steife Brise, wie der Norddeutsche sagen würde aber der blaue Himmel ließ schon erahnen, das es ein wunderbarer Frühlingstag werden sollte. Nach einer kleinen Pause, ging es ein kurzes Stück auf dem Weg zurück, den ich hierher gekommen war, bevor es dann links auf einen engen Weg ging, der mich nach Ross führte. Dabei führte der Weg an der Westküste der Halbinsel entlang und zeigte zum ersten Mal, warum der Abschnitt hier die Cliff Coast genannt wird. Im Ort Ross, gibt es einen Küstenabschnitt, der wie eine Bucht ins Land hineinragt. Dieser Abschnitt wird Bridges of Ross genannt und hat eine Runde Form, die nur in einer kleinen Stelle den Zugang zum Meer hat.

Die Bucht von Ross, Co. Clare

Von hier aus ging es nun zurück nach Kilkee. Aber nicht, wie der Hinweg, sondern am Küstenweg entlang. Die Straße – für irische Verhältnisse war dieser Abschnitt in einem sehr guten Zustand – führte in kurvigen Abschnitten immer wieder zur Küste und ins Landesinnere. Nach ein paar weiteren Kilometern, führte dann ein Weg links zu einem Parkplatz und zu einem landschaftlichen Juwel. Den Kilkee Cliffs. Dies war für mich der schönste Anblick an dem noch jungen Tag. Die tosenden Wellen brandeten gegen die Klippen. Un dich stand viele Meter weiter oben und konnte das ganze Spektakel beobachten und genießen. Als ich hier so stand, fragte ich mich, warum jeder so verrückt auf die berühmteren Cliffs of Moher ist. Und mir wurde schnell bewusst, dass ich hier ganz alleine inmitten der mächtigen Natur stand. Nur das Meer und der Wind waren zu hören. Sonst nichts.

Blick auf die Klippen.

Weiter ging es bis nach Kilkee zurück. Dort wurde ich wieder von der Realität eingeholt, denn bei der Ortsausfahrt kam wieder ein altes bekanntes Verkehrsschild, UMLEITUNG. Also ging es auf der Bundesstraße zurück nach Kilrush und von dort über einen kleinen Feldweg nach Doonbeg. Die Küstenstraße musste ich mir ein anderes Mal anschauen, da diese durch eine Baustelle gesperrt war. Irgendwie kamen Erinnerungen zum Vortag in mir auf. Obwohl, heute schien wenigstens die Sonne. In Doonbeg angekommen ging es zurück auf die eigentliche Route. Immer entlang an der Küste, aber immer mit ein wenig Abstand, gerade so viel, damit man nichts vom Meer sah. Diese blinzelte dann immer mal wieder durch die Felder durch.

In Quilty war der Atlantik dann wieder sichtbar. Die Wellen stiegen schon recht hoch, jedenfalls hatte ich so den Eindruck. Weiter ging es durch die grünen Wiesen und Felder in Richtung Norden, bis ich an einem Ort mit dem Namen „Spanish Point“ ankam. An einem großen Hotelkomplex bog der Wild Atlantic Way links ab und vorbei an ein paar Dünen kam ich zu einem Parkplatz mit einem phantastischen großen Strand. Ich pausierte hier kurz und ging auf den Felsen, die hier in das Meer hineinragten spazieren. Dabei versuchte ich den Fotografen der hier mit seinen Models Aufnahmen machte, nicht zu stören.

Blick auf die Bucht und den Strand von Spanish Point, Co. Clare

Von Spanish Point ging es weiter in Richtung Norden. Immer wieder durch die grünen Wiesen und Felder und ab und an auch mal an derKüste entlang. Die Landschaft war eigentlich sehr flach und man sah in der Ferne leichte Ansätze von Hügeln. Der nächste Ort, den ich anfuhr hieß Lahinch. Bekannt für einen sehr großen und beliebten Strand, den man schon vom Ortseingang sehen konnte. Leider wurde hier kräftig gebaut und gebaggert, so dass ich es vorzog den Strand bleiben zu lassen. Hier nun in Lahinch kündigten sich große Ereignisse an.

Die kleinen braunen Schilder, die mit weißer Schrift eine Sehenswürdigkeit ankündigten, teilten mir mit, dass es nur noch 35 Kilometer zu den Cliffs of Moher waren. So weit vorher hatte ich so ein Schild noch niemals gesehen. Ich folgte dem WAW-Logo und auch den Wegweisern zu den berühmtesten Klippen Irlands. Hinte Lahinch ging es links ab in Richtung Liscannor. Wieder durch grüne Wiesen, die hier allerdings zum örtlichen Golfclub gehören. In Licannor zweigte dann der Weg von der Hauptstraße ab und führte mich an einen wunderschönen, ruhigen Küstenabschnitt. Von hier aus ging es zurück zur Hauptstraße und nun die grünen Hügel hinauf. Nach einigen Kilometern kam nun ein Schild, auf dem die Geschwindigkeit auf 50 reduziert wurde. Mitten in der Landschaft. Auf der rechten Seite kam ein riesiger Parkplatz und auf der linke Seite war das Eingangsportal zu den Cliffs of Moher zu sehen.Ich stellte mein Motorrad auf den Parkplatz ab, jedoch erst nachdem ich mir eine Parkkarte gekauft hatte, und lief über die Landstraße zum Eingang der Klippen. Hier war von Ruhe nichts mehr zu spüren. Etwa zehn Reisebusse hatten ihre Passagiere hier entladen und die schlenderten nun alle der Hauptattraktion ihrer Reise entgegen. Hinter dem Eingang verlief ein sehr breiter Teerweg in Richtung Küste. Auf der rechten Seite waren in die Hügel kleine Souvenierläden eingelassen, dei mich ein wenig an Hobbingen im Auenland erinnerten. Der größte Erdhügel war das Visitor Center. Hier gab es für mich die Möglichkeit einmal kurz auszutreten. Aber dass entpuppte sich als zeitintensives Unterfangen, da hier ebenfalls gefühlt zehn Reisebusse anstanden.

Die berühmten Cliffs of Moher vom Besucherpark aus aufgenommen, Co. Clare

Nun ging ich aber doch einmal zu den Klippen. Wenn ich schon mal hier war, wollte ich auch mitreden können. Jedoch machte ich nur ein paar Aufnahmen und versuchte der Masse von Menschen wieder zu entkommen. Wieder auf meinem Motorrad fuhr ich nun die Anhöhe von Moher in kurvigem Verlauf hinunter und bog nach Doolin ab. Hier an einem kleinen Hafen gehen Schiffe zu den Aran Islands ab. Ich genehmigte mir in der Nähe des Hafens einen Cappucchino und fuhr wieder zurück auf die Hauptstraße. Die Aran Islands sind, wie auch die Klippen von Moher ein absolutes Muss, für einen Irland-Reisenden. Jedoch braucht man mindestens einen Tag, wenn nicht sogar noch länger um die Pracht und Schönheit dieser Inseln zu erleben. So blieben auch diese Inseln mir in dieser Reise verwehrt. Ich fuhr weiter in Richtung Norden meinem heutogen Ziel entgegen. Galway.

Nach ein paar Kilometern Landstraße führte der Weg zurück an die Küste. Doch war die Landschaft hier nun nicht mehr so grün sondern das Bild veränderte sich zu einer kargen steinigen Mondlandschaft. Nur der blanke Fels war noch zu sehen. Auf der rechten Seite erhob sich die Landschaft des Burren, während auf der linken Seite die Landschaft zum Meer hin abfiel. Der Burren ist ein Nationalpark und bekannt für seine karge Felsenlandschaft. Hier führen viele Wander- und Radwege durch das Gebiet. Beim Fahren wurde mir der Kontrast von hartem kargen Stein auf der einen und das blaue Meer auf der anderen Seitebewusst und ich hielt auch hier an um ein wenig die Abgeschiedenheit und Ruhe zu genießen. Und das obwohl immer wieder Autos an mir vorbei fuhren. Aber nach dem Trubel an den Klippen war dies eine wahre Wohltat.

Die Regionalstraße von Doolin nach Kinvara entlang der Burren-Küste, Burren, Co. Clare

Der Weg führte nun um den Burren herum und die Landschaft änderte erneut sein Ausshen. Auf der Fahrt an der Südküste der Galway Bay konnte ich nun die Hügelkette im Inneren des Landes erkennen und es waren wieder die grünen Wiesen und Felder, an denen ich nun vorbei fuhr. Der Weg führte nach Kinvarra und von hier aus weiter nach Osten nach Kilcolgan und Clarinbridge. Gleich nach dem Eingang nach Kilcolgan fiel mir ein Restaurant auf auf defolgender Satz stand. „Wild Atlantic Cafe. Stay and enjoy the Halftime“. Hier war also nun die Mitte meiner Reise. Ein Ort weiter, Clarinbridge, Austernliebhaber wird dieser Ort etwas sagen, denn behauptet der Ort doch von sich die Hauptstadt der Austern zu sein „Oyster Capital“, wie es am Eingang steht.

Fuhr ich die letzen Tagen meistens auf kleinen und engen Wegen, kam ich mir auf der mehrspurigen Straßen von Oranmore nach Galway fast wie auf einer Autobahn vor. Das merkte ich auch an meiner Geschwindigkeit, und erschrak, als ich auf dem Tacho die Nadel bei 120 km/h sah. Doch das war nur ein kruzes Vergnügen, denn hinter dem Schild „Failte go Gaillimh“ – Willkommen in Galway, begann der Verkehrstrubel der drittgrößten irischen Stadt und das auch noch an einem Freitag Nachmittag. Im Stop-and-Go – ich wusste garnicht, dass es so etwas in Irland gab, ging es zu meinem B&B in der Nähe des Tourismusbüros, wo ich mir meine nächste Fuhre Stempel abholte und den Tag bei einem guten Fisch und einem kühlen Guinness aufklingen lies.

Die Tour von Kilkee nach Galway dauerte etwa 6,5 Stunden und betrug 243,9 KIlometer.