06.04.2019: Nach Connemara

Ein Sprichwort sagt: „Gefällt Dir das Wetter in Irland nicht, so warte 10 Minuten.“ Damit ist die Unbeständigkeit des Wetters auf der grünen Insel gemeint. Auf vielen Reisen ist mir dies schon so passiert. Doch auf dieser Reise nahm das Sprichwort eine andere Dimension an. Nach Sturm, Hagel und Regen und darauf folgend blauer Himmel und Sonnenschein, folgte heute wieder Regen.

Zuerst ging es vom Lough Atalia zur nächste gelegenen Tankstelle. Dann folgte ich der Beschilderung mitten durch Galway. Bei Spanish Arch angekommen bog ich nach der Brücke, die über den Corrib River führt links ab und fuhr zuerst am alten Hafen von Claddagh, und natürlich auch an derberühmten Kapelle vorbei, später an der Küste der Galway Bay entlang. Dabei prasselte mir der Regen unaufhörlich auf mein Visier. Doch das Wetter wechselte und schon als ich in Salthill wieder auf die Hauptstraße fuhr, hatte der Regen aufgehört. Jedenfalls für die nächsten 10 Minuten. Auf der linken Seite hielt ich an der Salthill Promenade an und betrachtete die Hügel des Burren am Horizont. Durch die gerade aufgehende Sonne ergab sich hier eine ganz besondere Stimmung.

Blick auf die Promenade von Salthill, Galway, Co. Galway

Weiter geht es auf der Hauptstraße in Richtung Westen. Die Aussicht wechselte immer wieder von Häusern auf Felder und den Atlantik. Und so wie die Aussicht, wechselte auch das Wetter. Zwischen Galway und dem nächsten Ort Bearna fing es bestimmt vier Mal an zu regnen. Die Route verläuft an der Hauptstraße entlang, die durch die Küstenorte der Connemara Halbinsel führt. In den Orten gibt es die Möglichkeit nach links zu den Häfen abzubiegen. So auch in Bearna. Hier liegt der Silverstrand Pier. Ein paar Kilometer weiter westlich kann man den Furbogh Beach sogar direkt von der Straße aus sehen.

Blick vom Silverstrand in Barna nach Süden auf den Burren.

Es geht weiter nach Spiddle, oder wie es hier genannt wird, An Spidéal. Connemara, wie auch die gesamte Region um Galway ein riesiges Gealtacht. Nur mit dem Unterschied dass, bedingt durch den Tourismus und die große Anzahl der Einwohner Irisch und Englisch in der Benutzung fast gleich auf liegen. Auch hier kann man am Pier den schönen Ausblick in die Bucht von Galway bewundern. Etwas weiter westlich biegt die Route nach links ab und man gelangt über eine sehr enge Straße zum Connemara Airport. Von hier aus gibt es die Möglichkeit mit dem Flugzeug auf die Aran Islands überzusetzen. Wieder auf der Hauptstraße dauert es nicht lange und man biegt erneut links ab um zum Ballynahown Pier zu kommen. Auch hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Bucht und, da er etwas abseits liegt, ist er auch nicht so stark frequentiert. Es geht wieder zurück und schon bald bekommt den sichtbaren Beweis, dass hier Irisch „in“ ist. Während auf der rechten Seite eine Schule an die Straße grenzt, sieht man auf der Linken einen großen Parkplatz und einige größere Hallen mit der Aufschrift „TG4“. Entstanden aus „Teilifís na Gaeilge“ ist TG 4 der landesweit ausstrahlende Fernsehsender, der komplett in irischer Sprache moderiert. So kann man auch die irischen Sportarten Hurling oder Gaelic Football hier in Irisch sehen.

Morgens am Ballynahown Pier mit Blick nach Osten.

Die Route führt nun gerade aus weiter nach Westen, während die Hauptverkehrsstraße nach Norden abbiegt. Für die nächsten Kilometer sollte der Verkehr etwas ruhiger sein. Obwohl dieser schon nachgelassen hat seit ich aus Galway hinausgefahren bin. Die kleine und gemütliche Straße führt nach einigen Kilometern nach Norden zum Rossaveel Harbour. Auch von hier gibt es eine Möglichket zu den Aran Island zu fahren. Diesmal aber mit dem Schiff. Ich ignoriere, wie schon einen Tag zuvor die Inseln und fahre wieder Richtung Hauptstraße. Aber schon anch einigen Metern biegt die Route ab nach Carraroe. Hier ist einer der schönsten Strände in Connemara, der Coral Strand. Das Wetter meint es seit einigen Minuten gut mit mir und es scheint, als könne die Sonne die Oberhand gewinnen. Der Coral Strand liegt wunderbar in einer kleinen Bucht. Von hier aus kann man auf die Lettermore Islands schauen. Diese Inselgruppe ist durch eine einzige Straße miteinander verbunden. Die Straße führt direkt durch das Meer und wird an den Seiten von Steinmauern geschützt.

Coral Strand bei Carraroe, Co. Galway.

Zurück in Carraroe nehme ich die Abkürzung nach Lettermore. Nach einigen Kilometern fahre ich auf die erste Brücke. Leider ist zur Zeit Ebbe und man kann das Wasser nur erahnen. Dafür sieht man nun den Meeresgrund. Aber viel Zeit kann man nicht zum schauen aufbringen, da die Brücken schon etwas smal sind und nach einigen Abständen immer wieder Ausweichbuchten kommen. Ich fahre auf die erste Insel und von da weiter zur nächsten und so weiter, bis ich in Lettermullen lande. Hier drehe ich um und fahre die ganze Strecke wieder zurück. Wieder auf der Hauptroute zurück, geht es nun in Richtung Osten und treffe auf die Hauptstraße, fast genau an dem Punkt, an dem ich sie vor etwa einer Stunde verlassen habe. Ich folge der Straße nach Norden und durchquere wieder karges leicht hügeliges Moorland. Das Wetter wird etwas besser und die Sonne kämpft immer noch gegen den Hochnebel an. Nach einigen Kilometern komme ich an das Cottage des Schriftstellers Pearse. Da er aber nicht nur Lehrer und Schriftsteller sondern auch einer der Anführer der Osteraufstände 1916 war, hat ihm die irische Regierung hier ein Besucherzentrum gebaut. Dort kann man Alles über sein Leben und Wirken erfahren.

Nun führt der Weg entlang der zerklüfteten Küste nach Süden, bis in den Ort Kilkerrin auf eine weitere Halbinsel. Die Landschaft ist immer noch geprägt vom kargen Moorboden, doch auf den Halbinseln hat man nun den Atlantik auf der Linken und einige Hügel zur Rechten. Gepaart mit dem Hochnebel und der manchmal durchscheinenden Sonne bietet sich einem ein fantastisches Umfeld. Nach Kilkerrin führt die Straße weiter nach Carna und bietet auch hier immer wiedre schöne Ausblicke auf den Atlantik. Die Landschaft hingegen wird immer eintöniger und da auch die Richtugnen immer wieder wechseln, kann man schnell den Überblick und die Orientierung verlieren. Was nicht unbedingt schlecht sein muss, da man immer wieder nur auf ein und derselben Straße fährt.

Stimmungsaufnahme in Connemara, Co. Galway

In Carna biegt nun der Weg nach Westen ab, während die Hauptstraße wieder nach Norden dreht. Die Straßen werden nun enger und kurviger. Aber auch sehr gut einsehbar. So ist schon aus der Ferne ein entgegenkommendes Fahrzeug deutlich zu erkennen.Die Route führt nun wieder näher an der Küste entlang und nach einer halben Stunde ist man wieder auf der Hauptstraße. Hier liegt der Ort Glinsk. Auch hier gibt es wieder einen Pier, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf die Küstenregion hat. Es geht weiter nach Norden und nach kurzer Zeit verweist ein Schild nach Roundstone. Zuvor biegt man auf die nächste Halbinsel ein und gelangt auch sehr schnell nach Roundstone, der ersten Ansiedlung seit ein paar Stunden. Ansonsten waren immer nur vereinzelte Häuser zu sehen. Somit gleicht der 2006 immerhin 200 Einwohner zählende Ort, schon fast einer Stadt. Die Straße führt direkt an der Küste vorbei an einem malerisch gelegenen Hafen auf der Einen und teilweise sehr bunt angemalten Häusern auf der Andere durch den Ort. Und ehe man sich richtig umgesehen hat ist man schon wieder aus dem Ort hinausgefahren. Etwas hinter Roundstone biegt der Weg nach Westen ab und man fährt einmal mehr an einen Aussichtspunkt entlang der Galway Bay. Auf einer Landzunge befinden sich gleich zwei wunderschöne Strände, die ich versehentlich als Dogs Bay Beach tituliert hatte. Doch einer meiner Kontakte klärte mich auf, dass Dogs Bay Beach auf der einen und Gurteen Bay Beach auf der anderen Seite liegt.

Blick auf die Gurteen Bay in Roundstone, Connemara, Co. Galway

Nach einer weiteren Pause an diesen beiden Stränden geht es weiter durch das schon gewohnte karge Moor von Connemara in Richtung Westen. Immer an der Küste entlang. Dabei rückt das Ziel meiner heutigen Reise immer näher. Clifden, die Hauptstadt Connemaras. Zuvor biegt der Wild Atlantic Way aber nochmals nach Süden ab. Die Straße führt nun zum Aussichtspunkt Bunowen Bay. Hier ändert sich nun die Landschaft von kargem Moor in grüne Wiesen und Weiden. Auch dieser Abschnitt ist wieder eine Einwegstraße. So ist es nicht verwunderlich, dass einem hier auf dieser engen Straße viele Fahrzeuge entgegenkommen. Auf der rechten Seite breitet sich irgendwann das Gelände des Connemara Golf Club aus und erreicht etwas später Bunowen Bay.

Nach einer kleinen Pause geht es auf dem gleichen Weg zurück auf die Hauptstraße und von dort aus nach Norden in Richtung Clifden. Jedoch nicht ohne zuvor im Derrigimlagh Moor angehalten zu haben. Von den 15 Signature Points entlang des Wild Atlantic Way, war mir dieser Punkt am rätselhaftesten. Jedenfalls, bis ich dort ankam. Hier auf einem kleine Parkplatz, kann man die Geschichte von Guglielmo Marconi nachlesen. Einem Funkpionier, dem ich schon auf Mizen Head, begegnet war. Hier, unweit des Parkplatzes hatte er eine 1907 seine erste Funkstation aufgebaut, die notwendig war um Nachrichten von London über Dublin nach Nord-Amerika zu übertragen. Ebenfalls an dieser Stelle waren es die beiden Flugpioniere Alcock und Brown, die in diesem Moor den ersten non-stop Trans-Atlantik-Flug der Geschichte, auf abenteuerliche Weise mit einer Bruchlandung beendeten.

Hauptstraße von Clifden. Dem Ziel des Tages auf meiner Reise.

Vom Parkplatz des Derrigilmagh-Moor, sind es nun nur noch ein paar Kurven entlang der Clifden-Bucht, bis man meinem Ziel dieser Tagesetappe kommt.

Die siebente Etappe meiner Reise führte von Galway nach Clifden und war 206,8 Kilometer lang.