07.04.2019: nach Achill-Island

Der Morgen begann, wie schon so oft völlig anders als der zuvor. War gestern noch Regen angesagt, schien heute wieder die Sonne. Die Tour führte durch Clifden, in Richtung Westen, wo es dann rechts abging zu einer der schönsten Straßen am Wild Atlantic Way, der Sky Road. Langsam steigt diese enge Straße, die sich in einem hervorragendem Zustand befindet an der Landzunge hinauf und offenbart nach einigen Augenblicken einen wunderschönen Ausblick auf die Bucht von Clifden. Am äußeren Ende der Landzunge gibt es einen Aussichtspunkt, bevor es nach einer Kehre auf der Nordseite wieder in Richtung Clifden zurück geht. Auch hier fährt man fast ausschließlich in Blickkontakt zur Küste. Nach einigen Kilometern führt die Route zurück auf die Nationalstraße nach Westport, welche ich aber schon nach wenigen Metern wieder in Richtung Westen verlassen habe um nun die nächste Landzunge am Südufer entlang zufahren. Hier erreicht man nach wenigen Kilometern Omey Island. Die Insel ist durch eine Tidenstraße zu erreichen. Soll heißen, dass man bei Ebbe hier über den Meeresboden auf die Insel fahren kann. Ich spare mir dieses Abenteuer, weil ich meine Kette schonen möchte und weil auch noch, oder schon wieder ein wenig Wasser auf der Straßen ist. Die Route führt nun weiter in Richtung Westen nach Claddaghduff und von hier links ab um Aughris Lough herum. Die Landschaft ist sehr flach und grün beweidet.

Blick vom Sky Road Viewpoint nach Westen.

In Aughris Beg geht es dann in Richtung Cleggan. Hier kann man, etwas abseits des Weges das Keilgrab von Knockbrack, einem frühzeitlichem Steingrab, besuchen. Nach Cleggan geht es durch eine leichte Hügellandschaft zurück nach Osten auf die Nationalstraße, die ich kurz hinter Clifden verlassen habe. Auf dieser Strecke kann man nun im Gegenlicht die „Twelfe Bens“ die zwölf Hügel von Connemara bestaunen. Diese, ich will mal sagen Gebirgskette, liegt im Blick, denn man fährt genau auf sie zu. Wie schon ein paar Tage zuvor im County Clare an den Cliffs of Moher, kündigt sich auch hier ein weiteres Highlight für Irland-Touristen an, Kylemore Abbey. Jedoch macht der Wild Atlantic Way um dieses, sehr romantisch an einem gelegene Kloster im victorianischen Stil, einen Bogen und biegt in Letterfrack nach Links ab. Zuvor durchfährt man noch den Connemara National Park. Wenn man Zeit mitbringt, dann ist dieser Park alleine schon eine Reise wert. In urzeitlichem Waldgebiet wird einem vor Augen geführt, wie der Wald vor einigen Tausend Jahren, auch bei uns ausgesehen haben muss. Ich fahre aber weiter und folge in Letterfrack der Route nach Nordwesten in Richtung Tully Cross.

Blick auf die Twelfe Bens. Der Connemara National Park im County Galway.

Dort zweigt der Weg nun nach Rinvyle auf der gleichnamigen Halbinsel. Jedoch fahre ich nur bis Island View. An diesem Strand hat man eine tolle Aussicht auf die Bucht nördlich der Halbinsel und auf die Berge, die noch auf mich warten. Nach einer kleinen Pause geht es zurück nach Tully Cross und von dort aus in Richtung Norden. Hier wird die Landschaft schon etwas karger und die Hügel etwas höher. Nach einigen Kurven befindet man sich in einem einsamen Tal, durch das nur diese kleine, enge Straße führt. Links und rechts erheben sich die Berge (auch wenn es eigentlich keine Berge, sondern nur Hügel sind) und inmitten des Tals liegen zwei Seen, die ich an deren Nordseite passiere. Kurz darauf bin ich schon wieder auf der Nationalstraße, auf die ich nun schon zum dritten Male einbiege. Nach den etwas gemütlichen Cruisen auf der Connemara-Halbinsel, kommt einem Tempo 100 wie eine Hochgeschwindigkeitsfahrt vor. Und nach einigen Augenblicken öffnet sich auf der linken Seite Irlands einziger Fjord, Killary Harbour. Der Fjord ist etwa 15 Kilometer lang und beherbergt einige Lachs- und Muschelzuchten. Die Route führt am Südufer des Flords entlang nach Osten um kurz hinter den Ort Leenaun an der Nordseite wieder einen Teil der Strecke zurück zu fahren.

Blick von der Nationalstraße auf Killary Harbour, Irlands einzigem Fjord.

Dabei steigt die Straße stetig an und man erhält einen phantastischen Blick auf die Bucht. Hier am Fjord ist die Vegetation etwas grüner, als zuvor. Und auch nachdem meine Route nach etwa einem Drittel der Fjord-Länge nach rechts einbiegt, befinde ich mich wieder in dieser hügeligen kargen Landschaft. Ich halte kurz inne und genieße diese absolute Stille. Nun steigt die Straße immer weiter auf und ich erreiche bald das Spa- und Golfressort von Delphi. Hier hat sich ein sehr beliebter Golfclub in Mitten dieser kargen Landschaft niedergelassen. Leider hat diese Region auch ihre Schattenseiten und steht in der Geschichte der britischen Unterdrückung für eines der dunkelsten Zeiten.

Blick vom Discovery Point auf das Doolough Valley nach Süden.

Zur Zeit der großen Hungersnot, erhielten die irischen Farmer einige Erleichterungen bei ihren Abgaben an die Obrigkeit. Im Jahre 1849 sollten zwei Inspekteure der britischen Herrscher in Louisburgh die Situation überprüfen. Da durch die schlechte Witterung der Weg nach Louisburgh erschwerlich war, ließen sich die Inspekteure in der Delphi Lodge, einem Jagdhaus 19 Kilometer südlich von Louisburg, nieder und verlangten von den Bewohnern nach Delphi zu kommen, wenn sie ihre Erleichterungen weiterhin erhalten sollten. Daraufhin machten sich die Bewohner auf den 19 Kilometer langen Weg in der Nacht auf um, wie gefordert um 7 Uhr Morgens in Delphi zu sein. Völlig ausgehungert und kraftlos ließen viele Menschen auf diesem Marsch ihr Leben. Am Nordufer des Doolough See,im gleichnamigen Tal erinnert ein Mahnmal an diese dunkle Geschichte britischer Feudalherrschaft. An genau diesem Punkt machte ich eine kleine Pause und las die Geschichte, die ich hier versucht habe wiederzugeben. Das Mahnmal trägt den Satz von Mahatma Gandhi „How can men feel themselves honoured by the humiliation of their fellow beings?“.

Der Weg führt nun weiter nach Norden und biegt am Ende des Tals nach Westen ab. Hier wird die Landschaft wieder grüner und man nähert sich wieder dem Meer. Einer kleinen Küstenstraße folgend fahre ich um den Mweelrea Mountain herum und komme zu dem sehr abgelegenen Silver Strand. Auf der Rückfahrt geht es auf der gleichen Straße , nur biegt man nicht mehr recht ab sondern folgt dem Weg nach Louisburgh. Auf diesem Abschnitt kann man schon den berühmtesten Berg Irlands in der Ferne sehen, Croagh Patrick. Von Louisburgh aus sind es nur ein paar Kilometer nach Westport. Diese Strecke lege ich wieder auf einer Nationalstraße im Eiltempo zurück, die am Südufer der Clew Bay entlangführt und erreiche zeitig Westport.

Blick vom Hafen in Westport auf den berühmtesten Berg Irlands.

Nach einer kleinen Pause am Hafen geht es durch Westport in Richtung Norden nach Newport. Wichtig ist Westport allerdings für Inhaber eines Wild-Atlantic-Way-Passes, denn hier kann man sich im Tourismusbüro ALLE Stempel abholen. Das gibt es in keiner anderen Tourismus-Information. Von Newport geht es an der Nordseite der Clew Bay nach Westen und in der Ferne sieht man schon die Hügel von Achill-Island. Die Clew Bay beherbergt einer Legende nach 365 Inseln, für jeden Tag ein. Die größte davon ist Achill, oder wie es hier genannt wird, Acail. Zuvor geht es bei Mallaranny von der Hauptstraße runter auf die Corraun Halbinsel. Hier geht es am Atlantic Drive entlang der Südküste. Immer begleitet von einem herrlichen Überblick über die Clew Bay. Die Landschaft ist hier sehr karg und steinig und erinnert etwas an den Mond. Sehr verwunderlich ist hierbei, dass man auch hier immer wieder auf freilaufende Schafe trifft. Den nächsten Stop mache ich am Spanish Armada Viewpoint und genieße einfach nur diese Aussicht.

Mein Motorrad am Atlantic Drive am Spanish Armada Viewpoint, CO. Mayo, Irland.
Im Hintergrund Croagh Patrick.

Von hier aus geht es an der Westküste der Halbinsel entlang nach Norden und sehe schon auf der anderen Seite der Bucht das Ostufer von Achill. Verkehrstechnisch führt durch Achill eine Straße direkt von Ost nach West und mehrere Straßen entlang der Küste. Auf diese Direkt-Straße biege ich nach wenigen Kilometern ein und folge ihr nach Westen. Bei Achill Sound überquere ich eine Bogenbrücke und befinde mich nun auf der größten Insel der Clew Bay. Kurz nach der Brücke biegt mein Weg nach Links ab und ich folge der Südküste von Achill. Hier gibt es kurzes Gras, was die Anzahl der Schafe erhöht. Und da die Schafe auf Achill freilaufend sind, muss man schon nach jeder Kurve mit einem Wolltier rechnen. Nachdem ich diesen Bogen absolviert habe, fahre ich auf der Hauptstraße nach Westen und erreiche bald Keel. Hier gibt es einen wunderschönen Strand, der direkt zum Baden einlädt und, wie sollte es anders sein, auch einen Golf-Club. Ich fahre direkt am Golfclub vorbei nach Keel und treffe auch hier immer wieder auf Schafe.

Lichtstimmung in Achill Sound.

Hier ist es nicht so farbenfroh, wie im Südwesten Irlands, denn fast alle Häuser sind hier weiß angemalt. Nach Keel geht es weiter in Richtung Dooagh. Von hier aus wird die Straße enger und sie steigt auch sehr steil an. Am oberen Ende angekommen erinnert mich die Straße an einen Alpenpass. Auf der rechten Seite die steilen Felswände nach oben und auf der Linken, die steilen Klippen und unten das Meer. Als ich den Zenit erreicht hatte, konnte ich den Blick auf Keen Beach genießen. Von hier oben sah man die kurvige Straße, die fast in Serpentinen hinab zum Strand verläuft. Und einen, bei dem sonnigen und warmen Wetter, total überfüllten Parkplatz.

Blick auf den Strand von der Straße aus.

Von Keem Beach kann man auch eine schöne Wanderung zu den Klippen auf der Westseite Achills unternehmen, doch die Menschenmasse in der Bucht, lässt mich umkehren und in Richtung Achill Sound zurück fahren. Ich folge nun der Hauptstraße und fahre nach einigen Kilometern über die Bogenbrücke um gleich nach der Brücke in einem Hotel den Tag ausklingen zu lassen.

Abendstimmung in Achill Sound.
Die achte Etappe meiner Reise dauerte etwa sieben Stunden und war 273 Kilometer lang.