08.04.2019: Von Feenhöhlen und Surfern

Auch am heutigen Tage sollte sich der Wechsel zwischen einem schönen und einem bedeckten Tag wieder als richtig erweisen. Der Himmel über Achill Sound war bedeckt und man konnte nur schwer die andere Seite der Meerenge erkennen.

Mein Weg führte zuerst einmal zurück auf die Hauptinsel um dort nach Norden auf die Nationalstraße abzubiegen. Hier ging es auf der geschwungenen Straße entlang der Atlantikküste bis zum Ballycroy Nationalpark. Die Landschaft war hügelig und karg bepflanzt. Was allerdings kein Schaf davon abhält, hier zu grasen. Also ist, wie fast auf der gesamten Insel, Vorsicht geboten, da man nicht wissen kann, was hinter der nächsten Kurve wartet. Der Nebel stieg etwas höher und so waren die Hügel des Ballycroy National Parks schemenhaft zu erkennen. Auch die Hügel von Achill Island, die sich links auftaten, konnte ich nur erahnen.

Blick auf die N59 zwischen Ballycroy und Bangor im County Mayo.

Nach einer Weile bog die Straße nach Nordosten in Richtung Bangor ab und hier war nun die karge Landschaft von Mayo zu bestaunen. Unendliche Weidefelder, durch die sich die Straße wie ein Band gerade durchzog. In Bangor zweigte meine Route dann von der Hauptstraße in Richtung Südwesten ab und führte mich in ein weiteres Gaeltacht, einer der vielen irischsprachigen Regionen, die es hier gibt. In Gaoth Saile, oder auch Gweesalia, zweigte der Weg ab und führte an der Küste im Uhrzeigersinn entlang. Bedingt durch das Wetter, welches hier an der Küste der Blacksod Bay noch dunstiger war, konnte man hier die Landschaft meistens nur erahnen. Am Aussichtspunkt des Doohoma Beach, hat man einen phantistischen Blick auf die Nordseite von Achill Island, aber an diesem Tag konnte man diese Aussicht nur erahnen.

Blick vom Aussichtspunkt Doohoma Head nach Südwesten. Im Hintergrund schwach Achill Island

Um die Halbinsel herum ging es nun wieder nach Norden in Richtung Belmullet. Dieser Ort sollte auch das Ende des heutigen Tages sein. Aber erst nachdem ich die Belmullet-Halbinsel und ihre Highlights besucht habe. Der Ort liegt an einer Landenge, die Irland mit der Halbinsel verbindet. Diese begrenzt die Blacksod Bay westlich vom Atlantik ab und bildet ein wahres Surfer Paradies mit wunderschönen Stränden. Dabei ist leicht erkennbar, dass die Ahlbinsel nur auf der Buchtseite bevölkert ist. Auf der Seite zum Altantik stehen nur vereinzelt ein paar Häuser, die der unbegrenzten Wucht des Atlantiks und seiner Winde ausgesetzt sind. Zuerst geht es von Belmullet in Richtung Norden nach Dun na mBo. Nach etwa einer halben Stunde auf immer enger werdenden Landstraßen komme ich an diesem Aussichtspunkt im Nordwesten der Halbinsel. Hier gibt es eine Besonderheit zu sehen. Am Parkplatz angekommen sehe ich einen Ringwall, der aus Steinen aufgebaut wurde. In die Mitte führt ein Pfad, der von ansteigenden Steinwänden flankiert wird. Am Ende kann man auf ein „Blowhole“, oder auch Feenloch sehen. Durch dir stetige Erosion des Atlantiks gräbt dieser sich immer weiter in das Land hinein. An einigen Stellen, meistens dort, wo zwei Gesteinsschichten aneinander liegen, gräbt das Meer sich unter dem Land hindurch. Ist dieser Spalt dann so groß, bricht der Boden darüber ein und man kann mitten auf dem Land, durch diese Löcher auf den Atlantik blicken.

Blick auf das Blowhole von Dun na mBo in der Nähe von Belmullet im County Mayo.

Bricht nun das Meer in diese Schlucht ein, verdrängt er die Luft durch das Loch an die Oberfläche und es entsteht ein mächtiger Luftstrom. Daher die Bezeichnung „Blowhole“. Das durch diese Luftbewegung auch undefinierte Geräusche entstehen, die als Stöhnen oder andere Geräusche wahrgenommen werden können, dachten die Kelten der Vorzeit an ein Klagen der Feen, die in diesen Löchern wohnten. So erklärt sich die zweite Bedeutung dieser Feenlöcher.

Der Atlantik bei Dun na mBo, Co. Mayo, Irland

Danach gin es den halben Weg in Richtung Belmullet zurück und bog kurz vorher nach Westen ab in Richtung Annagh Head. Geologisch gesehen handelt es sich hier um den ältesten Teil Irlands. Vorbei an vielen Dünen, die durch den ungebremsten Wind des Atlantiks aufgebaut werden komme ich an den Aussichtspunkt. Dieser ist auch bei meiner Ankunft windgepeitscht und man kann sich hier nur kurz aufhalten. Am Ende des Parkplatzes erkennt man ein paar Beehives, vorzeitliche Steinhütten, die wie Bienenkörbe aussehen und für diese Epoche typisch waren. Auch kann man hier die Geschichte der Children of Lir nachlesen. Diese Legende kennt in Irland – ich möchte behaupten – jedes Kind. Die vier Kinder des Königs Lir wurden aus Eifersucht von der Stiefmutter in Schwäne verwandelt. Darauf veranlasste der König, dass in Irland niemals ein Schwan getötet werden durfte. Witzig ist, dass das Töten eines Schwans in IRland auch heute noch unter schwerer Strafe steht. Da der Wind nach einiger Zeit noch mehr zugenommen hatte, brach ich zum nächsten Punkt auf. Erris Head. Zuerst zurück nach Belmullet um dann in Richtung Norden zum nördlichsten Punkt der Halbinsel zu fahren. Durch ausgiebige Moorlandschaft erreichte ich nach etwa einer Halben Stunde den Parkplatz von Erris Head. Das Wetter hatte sich noch nicht verbessert und so lag auch dieser Punkt in einer dunstigen Lichtstimmung. Von hier aus kann man nun etwa eine Stunde lang zum Aussichtspunkt laufen. Dort findet man neben einer tollen Aussicht auf den Nordatlantik auch eines der unzähligen „EIRE“ Steinzeichen. Diese wurden im zweiten Weltkrieg von den Bauern aufgeschüttet um den deutschen Flugzeugpiloten mitzuteilen, dass hier die Küste des neutralen Irlands und nicht das befeindete England ist. Diese Zeichen werde ich noch später auf meiner Reise sehen. so beschloss ich nur am Parkplatz zu verweilen.

Blick auf die Halbinsel von Erris Head, Co. Mayo

Zurück in Belmullet ging es nun auf die Südhälfte der Halbinsel. Entlang der ausgedehnten Strände, ging es an der bevölkerten Ostseite der Halbinsel nach Süden. Wobei man dem Begriff bevölkert vorsichtig benutzen muss, denn dies bedeutet hier, dass man ab und zu auf eine Ansammlung von Häusern treffen kann. Am südlichsten Punkt steht der Blacksod Leuchtturm. Von hier aus ging es nun an der unbesiedelten Westküste bei stetigem Westwind, wieder nach Norden zurück nach Belmullet.

Der Leuchtturm am Südende der Belmullet Halbinsel an der Blacksod Bay, Co. Mayo
Für die 205 Kilometer meines neunten Tages brauchte ich etwas weniger als fünf Stunden. Die Tour führte von Achill Sound auf der Achill-Insel nach Belmullet.