09.04.2019 Entlang der Surf Coast

Das Irland nicht nach einem speziellen Schema funktioniert, konnte ich am heutigen Tag meiner Reise erleben. War es bis jetzt fast immer so, dass auf einen sonnigen Tag ein bedeckter folgte und umgekehrt, blieb das trübe Wetter des Vortages auch an diesem Tag bestehen. Zwar konnte ich bei der Abfahrt einen schönen Ausblick auf die Broadhaven Bay genießen, in der sich das Licht der aufgehenden Sonne teilweise spiegelte, aber Alles in Allem war der Morgen trist und bedeckt. Und das sollte auch eine Zeit so bleiben.

Der Weg führte mich von Belmullet zurück in Richtung Bangor. Nach einigen Kilometern kam eine Tankstelle, wo ich nochmal den Tank vollmachte. Danach bog die Route nach Norden ab wo es zuerst an der Südküste der Broadhaven Bay entlang ging. Die Route führte über eine Regionalstraße, die sehr gut ausgebaut war. Nach etwa fünf Kilometer bog der Wild Atlantic Way nach links ab und umrundete die Halbinsel in Richtung Inver. Nach einigen Kilometern kam ich zurück auf die Regionalstraße und folgte ihr für eine kurze Zeit, bevor es links ab nach Westen ging um dem ersten Discovery Point von heute entgegen zu fahren. Auf einer engen Landstraße ging es durch das in den letzten Tagen bekannte Landschaftsbild von Mooren und Wiesen zum Benwee Point. Hier angekommen konnte ich im Dunst einen wunderbaren Blick auf die Bucht sehen, die von hohen Klippen umzäunt waren. Auch hat man von dort einen phantastischen Blick auf fünf Steilfelsen, die kerzengerade aus dem Meer über hundert Meter emporragen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was an diesem Tag noch folgen sollte. Hier oben wehte ein sanfter Wind, aber das Meer unten in der Bucht klatschte so richtig gegen die Felsen.

Blick vom Aussichtspunkt auf die Bucht von Benwee Head im County Mayo.

Nach diesem Aufenthalt ging es die nächsten zwanzig Kilometer auf der selben Straße wieder zurück, auf der ich gekommen war. Am Ende der Straße kam ich wieder auf die schon bekannte Regionalstraße, die mich, fern ab des Meeres nach Nordosten führte. Zu sehen waren viele Hügel und Moore, aber kein Meer. Durch das diesige Wetter war die ganze Fahrt sehr ermüdend und eintönig. Der Dunst zog sich immer weiter zu und man hatte ein einzigartiges Schauspiel der Farben, als die Sonne versuchte gegen den Nebel anzukämpfen. Die Horizont färbte ich in ein lila-gelbliches Farbenmeer. Nun wurde der Nebel wieder dichter und die Sonne war nur noch schemenhaft zu erkennen. Auf der linken Seite taten sich nun hohe Klippen auf, und darunter war der Atlantik wieder zu sehen. Nach einigen Kilometern kam ich dann an den Ceide Fields Viewpoint. Hier war ein Neolithisches Farmgelände bei Ausgrabungen entdeckt worden, das internationale Bedeutung für die Erforschung dieser Epoche hat. Im Ceide Fields Visitor Centre gab es die Möglichkeit sich etwas aufzuwärmen. Denn ohne die wärmende Sonne blieb die Temperatur hier unter 10 Grad.

Vom Parkplatz aus konnte man durch den Dunst einen Blick auf die Klippenlandschaft von Nord-Mayo erahnen. Nach dem Stop ging es weiter in Richtung Osten. Dabei blickte in regelmäßigen Abständen der Atlantik durch. In Ballycastle bog die Route links ab in Richtung Norden um zu einem weiteren der fünfzehn Signature Points zu gelangen, Downpatrick Head. Nach Ballycastle führte die Straße durch Felder und Wiesen und wurde auf beiden Seiten durch die, für Irland bekannten Steinmauern begrenzt. Gegenverkehr macht einem Motorrad hier keine Probleme, bei einem Auto aber schon. Ich stellte meine Maschine auf dem Parkplatz ab und folgte dem markierten Weg. Nach einer Absperrung kam ein riesiges Warnschild auf dem das Verlassen der markierten Wege verboten wurde, da hier akute Lebensgefahr bestand. Schaute man sich um, konnte man davon nichts erahnen. Nach einigen Metern kam ich an eine Wallmauer. Der Weg führte um die Wallring herum in das Innere. Man höhrte schon das Meer, obwohl ich von jeder Seite etwa 500 Meter davon entfernt war. Im Inneren des Walls entdeckte ich ein Feenloch, oder auch Blowhole. So wie am Vortag in Doonamo, nur war dieses hier um ein Vielfaches größer. Hier konnte man das Meer nicht nur sehen und hören, sondern auch spüren. Mit jeder Welle, die hier unterhalb des Bodens hinein schwappte, verdrängte es die Luft nach oben und man nahm einen gewaltigen Windzug war. Dabei entstand ein tiefes mächtiges Grollen, was dem Schnaufen eines Drachen gleichkam.

Blick in das Blowhole bei Downpatrick Head.

Weiter nördlich, stand eine vom heiligen Patrick selbst erbaute Kapelle, von der nur noch die Überreste erkennbar waren und dahinter ein kleines Aufklärungshäuschen aus den zweiten Weltkrieg. Etwas weiter östlich davon konnte man das mit Steinen gelegte Wort „EIRE“ lesen. Dies wurde an der gesamten nordwestlichen Küste Irlands in regelmäßigen Abständen gelegt um den angreifenden deutschen Piloten zu signalisieren, dass es sich nicht um das feindliche England, sondern um das neutrale Irland handelte. Etwas weiter nördlich von der Kapelle sah ich dann das Highlight des heutigen Tages. Den Felspfeiler Dun Briste. Er ragt über 50 Meter steil aus dem Meer empor und der Anblick lässt einem fast den Atem stocken. Der Legende nach versammelte St. Patrick hier die Stammesfürsten Irlands um sie zum Christentum zu bekehren. Einer der Fürsten weigerte sich allerdings, und so lies St. Patrick das Land um ihn herum in die Tiefen des Atlantiks stürzen um ihn einsam auf diesem Pfeiler zurück zu lassen. Auf dem Rückweg entdeckte ich einen Mitarbeiter der Küstenwache, der Gitterroste auf dem Boden verankerte. Darunter konnte man eine tiefe Felsspalte sehen durch die das Meer floss. Beim Umsehen erahnte ich eine direkte Linie zwischen dieser Felsspalte, dem Blowhole und dem Eintriispunkt in der Nähe von Dun Briste.

Blick von der Klippe auf Dun Briste bei Downpatrick Head im County Mayo.

Nach diesem Aufenthalt, der nun etwas länger dauerte und bei schönem Wetter vielleicht noch länger gedauert hätte, folgte ich der Beschilderung. Es ging immer noch zwischen den Steinmauern auf engen Straßen in Richtung Osten. Die Richtung änderte öfters und nach einiger Zeit konnte ich einen Blick auf Lackan Strand erhaschen. Die Straße führte nun von der Hochebene hinunter zum Strand und ich machte hier eine kleine Pause. Am ganzen Strand standen Schilder, auf denen es verboten war irgendwelche Gegenstände vom Strand mitzunehmen. Der Strand liegt in einer Bucht und schließt diese bei Ebbe vom Meer ab. Es entsteht so ein riesiger Salzwasser Pool und man kann an der engsten Stelle von einem Ufer zum anderen laufen. Meine Tour führte nun zurück auf eine Regionalstraße und nach einigen Kilometern erreichte ich Killala. Eigentlich sollte hier für heute Schluss sein. Doch es war gerade einmal 11 Uhr und so entschloss ich mich noch etwas weiter zu fahren und vielleicht noch in Sligo meine weiteren Stempel abzuholen.

Blick auf den Lacken Strand nach Nordosten.

Von Killala aus führte nun eine breite, gut ausgebaute Landstraße in die größte Stadt der Umgebung, Ballina. Das geschäftige Treiben in Ballina war, nach den letzten Tagen, sehr ungewohnt für mich. So viele Menschen hatte ich in den letzten Tagen zusammen nicht gesehen, wie hier auf der Straße unterwegs waren. Die Straße folgte dem rechten Flußufer, der von hier aus ins Meer mündete, nach Norden in Richtung Enniscrone. Dort befindet sich ein weiterer bekannter Golfplatz. Am Golfressort vorbei ging es nun vom Meer weg landeinwärts nach Nordosten. Der Weg führt nun in einigem Abstand an der Küste entlang und man kann das Meer nur ab und zu einmal sehen. Der nächste Stop war dann in Easky Beach, wo man direkt am Meer neben einem Turmhaus auch die Möglichkeit hat einmal auszutreten. Es ging dann weiter über Dromoren und Aughris, bis ich kurz hinter Aughris Head auf eine Nationalstraße einbog, die mich direkt in Richtung Sligo brachte.

Blick von der Strandhill-Promenade nach Südwesten auf den Culleenamore Strand.

Bei Ballysadare konnte ich die Autobahnähnliche N4 erkennen. Mein Weg führte aber parallel dazu und bog bei der Auffahrt nach Westen ab in Richtung Strandhill. Einem Badeort vor den Toren Sligos. Auf der Nordseite der Ballysadare Bay ging es in Richtung Knocknarea, einem markanten Tafelberg, die hier im County Sligo typisch sind. Vorbei am Strandhill Golf Club, einem Golfplatz, der inmitten von Sanddünen angelegt wurde. Kurz danach erreichte ich die Promenade von Strandhill. Ein wunderbarer Ort um eine kleine, oder auch große Pause zu machen. Strandhill Beach ist ein weiterer Discovery Point auf dem Wild Atlantic Way. Und nur zwei Kilometer vom nächsten Punkt entfernt. Man befindet sich hier am Eingang in die Sligo Bucht. Und am anderen Ende liegt Rosses Point. Doch der Weg dorthin ist weiter, da man die gesamte Bucht umfahren muss. Die Route geht also durch Strandhill zurück nach Osten, wo ich nach einigen Minuten mitten in Sligo, der Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft ankomme. Ich parkte in der Nähe der Touristeninformation und holte mir dort die Stempel der Surf Coast-Region ab.

Blick auf die Innenstadt von Sligo und die Uferpromenade.
Blick vom Mullaghmore Head nach Norden.

Nach einem netten Gespräch mit der Mitarbeiterin verabschiedete ich mich und fuhr durch den Nachmittagsverkehr von Sligo, der um ein vielfaches höher war als in Ballina. Ich war richtig erleichtert, als das Schild zur Abzweigung nach Rosses Point kam und er Verkehr deutlich nachgelassen hat. Die Straße, als Regionalstraße sehr gut ausgebaut und breit, führte an der Nordseite der Sligo Bay entlang und erreichte nach einigen Kilometern Rosses Point. Hier, zwischen einem sehr beliebten Badestrand, dem Yachthafen und einem Golfclub hat man einen wunderbaren Blick auf die einzigartige Landschaft von Sligo. Auch ist hier eine Gedenktafel und ein Monument aufgestellt, welches an die Auswanderungswelle während der großen Hungersnot im 19. Jahrhundert erinnert. Erin, symbolisiert durch eine Frauenstaue mit wehendem Kleid breitet ihre Arme nach Westen aus, wo Amerika liegt. Dort gingen die meisten Auswanderer hin und man sagt, dass in Amerika mehr Iren leben als in Irland. Von Rosses Point aus geht es zurück auf die große Nationalstraße, die Sligo mit Donegal verbindet. Vorei an Sligos berühmtesten Kind W. B. Yeats und seinem Grab nach Grange. Hier mache ich einen kleinen Abstecher zum Meer, das man nach Sligo nur ab und zu sehen kann. Am Streedagh Point kann man die Geschichte eines spanischen Admirals lesen, der nach einer gescheiterten Invasion auf der Flucht mit seiner Armada vor Sligo in einem Sturm kenterte und sich von hier aus durch das Landesinnere schlug. Unterstützt von den Einheimischen. Zurück auf der Nationalstraße geht es kurz danach links nach Mullaghmore. Einer Halbinsel, von wo aus man bei gutem Wetter auf die andere Seite der Donegal Bay sehen kann. Das Wetter hat sich nach Sligo wesentlich gebessertund ich fuhr im strahlendem Sonnenschein, doch am Scenic Point Mullaghmore Head angekommen konnte ich nur das Meer in der Donegl Bay sehen. Kurz hinter den Aussichtspunkt kam ich im Ort Mullaghmore in einem Hotel unter und ließ dort den Tag mit Blick auf die Berge Sligos im Sonnenuntegang beenden.

Blick vom Hotel auf den Hafen von Mullaghmore.

Da ich eigentlich erst am kommenden Tag hier anreisen wollte konnte ich dieses Landschaftsbild noch mehr genießen.

Der zehnte Abschnitte war 266 KIlometer lang und dauerte etwa sieben Stunden.